Hier möchten wir Ihnen die Geschichte unseres traditionsreichen Vereins näher bringen.

Sie finden hier ernste, aber auch recht amüsante Überlieferungen.

 

 

 

Das Erbe der Väter bewahren

 

Der Isselburger Schützenverein hat während der Zeit seines Bestehens die Tradition bewahrt, sowie Zusammenhalt und Geselligkeit gepflegt.

Schon lange vor der Gründung des traditionsreichen Vereins gab es Schützen in der Isselstadt sowie Bürgerwehren als Vorläufer des heutigen Schützenvereins.

Bürgerwehren und Wehrgenossenschaften lassen sich in Westfalen und im Rheinland bis in das 13. Jahrhundert zurückverfolgen. Neben Ihrer Aufgabe als Beschützer von Haus, Hof und Gemeinde kamen sie auch in Kriegszeiten Ihrem Landesherrn zu Hilfe.

 

 

Altes Brauchtum pflegen

 

Als im Dezember 1856 der Isselburger Schützenverein gegründet wurde, ging es nicht mehr um den Schutz der Heimatstadt. Aus der bitteren Notwendigkeit des Zusammenschlusses entstand später der Wunsch nach der Erhaltung alten Brauchtums und die Pflege des Zusammengehörigkeitsgefühls und der Geselligkeit.

Das Königsschießen, heute Mittelpunkt des Schützenfestes, ist ein Stück Brauchtumspflege, denn in früheren Zeiten wurde bei dem Schießen der Führer der Wehrgenossenschaft ermittelt.

Bei den Schützenfesten, die heute gefeiert werden, steht Frohsinn an erster Stelle.

Es geht auch um Geselligkeit und um die Stärkung der Zusammengehörigkeit.

Nur so ist es zu verstehen, dass zum Schützenfest viele Isselburger, die inzwischen in anderen Orten eine neue Heimat fanden, zur Isselstadt kommen, um das Fest mitzufeiern. Durch den Schützenverein und die Feste, die er feiert, fanden aber auch viele, denen Isselburg zur neuen Heimat wurde, Verbindung zu den Alteingesessenen und Freude am alten Brauchtum.

 

Das erste Schützenfest wurde 1857 gefeiert.

 

 

Montag vor Bartholomäus

 

Das noch vorhandene Protokollbuch des Vereins, das ab dem 25. November 1875 geführt wurde, beginnt mit der Eintragung über den Termin des Schützenfestes. Es heißt da:

„Der hiesige Schützenverein feiert sein Fest so, dass der Schützenfest-Montag vor Bartholomäus fällt. Regierungsseitig ist auf dem Montag vor Bartholomäus für Isselburg ein Krammarkt angesetzt. Damit nun Schützenfest und Kirmes resp. Krammarkt gleichzeitig gefeiert werden kann, hat die Feier des hiesigen Festes immer zu der Zeit stattgefunden. Fällt Bartholomäus auf Montag, wie es 1885 der Fall war, so ist dennoch der Montag vor Bartholomäus unser Schützenfest-Montag.“

 

Bartholomäus fällt stets auf den 24. August.

 

 

Aus dem Vereinsleben

 

Bohnenwahl

 

Aus der Überlieferung wissen wir, dass bis zum Jahre 1914 die Aufnahme neuer Mitglieder durch die sogenannte „Bohnenwahl“ erfolgte.

Hierbei erhielt jedes Mitglied eine weiße und eine braune Bohne, wobei die weiße Bohne als Zustimmung und die braune Bohne als Ablehnung für die Aufnahme des Bewerbers galt.

Waren bei der Auszählung die weißen Bohnen in der Mehrzahl, so galt der Bewerber als aufgenommen.

 

 

Veranstaltungen des Vereins

 

In den ersten Jahrzehnten hat der Verein seine Schützenfeste in einem Zelt gefeiert. Aus dieser Zeit stammt noch folgende Erzählung:

 

Im Jahre 1879 als Carl Mühlenkamp König war, soll das Zelt an der Minervastraße bei Wilhelm Möllmann, Sattler u. Polsterer gestanden haben. Aus Naturschutzgründen stand mitten im Zelt ein Obstbäumchen, das man beim Aufbau des Zeltes nicht opfern wollte.

Etwa ab dem Jahre 1900 wurde das Schützenfest in der Kaiserhalle gefeiert.

Sie war der größte Saal der Stadt, die bei Veranstaltungen festlich geschmückt, einen imposanten Eindruck vermittelte. Im Frühjahr 1945 wurde sie durch Kriegseinwirkung zerstört. Die Kaiserhalle stand dort, wo heute die Gaststätte „Im grünen Winkel“ steht.

 

Kaiserhalle

 

Das erste Schützenfest nach dem 2. Weltkrieg wurde im September 1948, und zwar samstags und sonntags, im Lokal Exo / Ressing gefeiert.

 

 

Vogelschießen

 

Von 1907 bis etwa 1925 wurde das Vogelschießen im neu errichteten Schießstand an der Kaiserhalle des Vereinswirtes Alfred Potten durchgeführt.

 

Der alte Schießstand

 

 

In den Folgejahren fand das Schießen bis 1939 (Kriegsausbruch) auf der Wiese des Mitgliedes Caninenberg, Passhof – genannt Pass-Schlag – statt.

Die Schützen nahmen an der erbauten „Bar“ fleißig Stimmungs- und Zielwasser, und so war es im „Pass-Schlag“ immer recht gemütlich, ohne etwas von den Unbilden der Witterung zu merken.

Um 10 Uhr begann hier das Königsschießen auf den Vogel. Tambourcorps und Musikkapelle boten ein vortreffliches Platzkonzert, dem viele Isselburger – manchmal trotz Sturm und Regenschauer – lauschten.

Die Isselburger wollten einfach im  „Pass-Schlag“ dabei gewesen sein.

 

 

 

 

„Beim Fest soll Weinzwang sein“

 

Waren die Isselburger auch nicht reich, so gehörte seit jeher zum Fest der edle Traubensaft.

In dem Protokollbuch der Versammlung vor den Festen findet man Eintragungen über Weinproben und Weinlieferungen. So ist unter dem 2. Juli 1894 die Abschrift eines Schreibens an die Weinhandlung Richter & Hoffmann und Lüdy Chr., in Wesel. Es heißt da:

 

„Falls Sie geneigt sind, auch in diesem Jahr die Weinlieferung für das am 19., 20. und 21. August dieses Jahres hier stattfindende Schützenfest unter den bisherigen Bedingungen zu reflektieren, bitte ich durch Fuhrmann Meßing die folgenden Weinproben je 2 Flaschen Laubenheimer, Niersteiner, Rüdesheimer, Bordeaux/St. Julien bei nächster Gelegenheit d.i. am nächsten Donnerstag mir gfl. Übersenden zu wollen.“

 

Bestellt wurden dann laut Eintragung im Protokollbuch:

 

 

350 Flaschen Laubenheimer

zu 0,70 Mark

 

500 Flaschen Niersteiner

zu 0,90 Mark          (ohne Glas)

 

100 Flaschen Rüdesheimer

zu 1,20 Mark

 

100 Flaschen Bordeaux  St. Julien

zu 1,20 Mark

 

Da heißt es weiter in einem Schreiben an die Firma Dinghoff in Wesel über die Bedingungen der Weinlieferung:

„Der Probewein muss gratis und franco geliefert werden, gleichviel, ob eine Bestellung erfolgt oder nicht. Der für das Fest bestellte Wein muss ebenfalls franco geliefert werden. Übriggebliebener Wein, so heißt es weiter, müsse zurückgenommen werden.“

 

In einer Eintragung über die am 9. Juli 1909 stattgefundene Vorstandssitzung ist zu lesen:

„Bei der Weinprobe, zu welcher Herr Joh. Schmänk die Proben gestellt, wurden ausgewählt

70 Flaschen Grommersheimer zu RM 1,20,

90 Niersteiner zu RM 1,50,

120 Flaschen Bachearacher Auslese zu RM 2,-- und

120 Flaschen Christoly-Rotwein zu RM 2,--“

 

Im Protokoll der Generalversammlung vom 29. Juli 1924 heißt es:

„Beim Fest soll Weinzwang sein.“

 

 

 

 

„Nur tüchtige und ordentliche Musiker“

 

Genauso wichtig wie die Getränke ist für einen guten Ablauf eines Fest die Musik. Auch hier finden sich im Protokollbuch interessante und aufschlussreiche Eintragungen.

Eine Moerser Kapelle sorgte laut den Eintragungen in den früheren Jahren für die Musik beim Schützenfest. Da heißt es in einem Schreiben von 25. 6. 1904 an den Kapellmeister Kühne, Moers:

 

„Mit Rücksicht auf die langjährige Verbindung mit Ihren verstorbenen Herrn Vater hat der Vorstand gestern Abend beschlossen, für das diesjährige Schützenfest am 21. /23. August, Ihnen die Gestaltung der Musik zu übertragen. Der Vorstand rechnet darauf, dass Sie es sich werden angelegen sein lassen, nur tüchtige und ordentliche Musiker mitzubringen. Bei einer starken Konkurrenz kann ich ihnen nur den guten Rat erteilen, bei Ihrem ersten Auftreten als Kapellmeister hier alles daran zu setzen, sich Ehre einzulegen und so auch für die Folgezeit sich die Zuneigung des Vereins zu gewinnen und zu erhalten.“

 

Die Moerser Kapelle trat auch bei Konzerten in Issellburg auf. In einem Brief an den Kapellmeister Kühne vom 19. Dezember 1904 wird ausgeführt:

 

„Der Vorstand ist übereingekommen, Ihnen die Musik für das Winterfest am 15. Januar 1905 zu übertragen, trotz des hohen Preises den Sie fordern, erwartet dann aber auch, dass Sie uns nur ausgesucht tüchtige Kräfte schicken werden.“

 

Einige Tage später heißt es in einem weiteren Schreiben an den Kapellmeister, dass man zu Konzert Streichmusik mit einigen Solis vorziehe. Zum Ball wären einige Hörner wegen der Länge der Kaiserhalle notwendig.

Ob die Moerser Kapelle zu teuer war, oder die Isselburger nicht ganz zufrieden stellte, ist nicht sicher. Jedenfalls erhielt für die musikalische Gestaltung des Festes im Jahre 1907 eine Xantener Kapelle den Zuschlag. Auch in den folgenden Jahren spielten die Xantener Musiker zum Fest auf.

Nachdem auch einmal eine Kapelle des Bocholter Kriegervereins aufspielte, hielt man sich dann später nur noch an die Isselburger Kapelle. So heißt es in einem Bericht der Generalversammlung kurz vor dem Schützenfest 1924, dass die hiesige Kapelle bevorzugt werden soll.